
Artificial Me
Björn Fischer arbeitet als freischaffender Künstler in den Bereichen Performance, Neue Musik, Multimedia sowie als Dramaturg und Theoretiker. Er lebt mit Tochter und Hund auf dem Land bei Darmstadt.
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In seiner künstlerischen Praxis sucht er nach einem radikal-ethischen Umgang mit den Realitätsbedingungen des 21. Jahrhunderts. Im Spannungsfeld von technologischer Steuerung, künstlicher Intelligenz und ökologischer Katastrophe entwickelt er meditative und widerständige Arbeiten, in denen Algorithmen, Maschinen und mehr-als-menschliche Körper nicht bloß verbunden, sondern gezielt gegeneinander in Stellung gebracht werden – eine gegenseitige Unterbrechung, die Stillstand als Voraussetzung begreift, um überhaupt Raum und Zeit für das Denken anderer Welten zu schaffen.
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In der endlosen Flut von Bildern und Leid, die sich ununterbrochen übereinanderlegen, sucht Fischer nach radikaleren Verbindungen und Praxen – nach einem hybriden Geflecht, in dem sich unsere grundlegendsten Annahmen von Mensch, Handlung und Welt auflösen. Passive Handlungen wie Hören, Liegen und Berührtsein werden zu widerständigen Gesten zwischen Geistern, Datenkollektiven und mehr-als-menschlichen Akteuren.
Die Abkehr von der gemäßigten Mitte ist nicht nur Flucht, sondern programmatische Bewegung: kindliche Erzählungen kollidieren mit kybernetischen Setzungen, poetische Landschaften zerfallen unter algorithmischem Rauschen. Das Ende des Menschen as we know it wird ausdrücklich begrüßt.
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Zu seinen Arbeiten zählen unter anderem Lying to Myself in Bed (2023), Extreme Love im Wohnzimmer am Ende der Welt (2022) sowie das „ökologische Nachtstück“ Paradise Now: Die Letzte macht das Licht aus (2019), das in der Frankfurter Rundschau als „zwischen Philosophie und Poesie“ (FAZ) verortet wurde. Weitere Projekte wie Too Lonely for This World to Stay the Same oder Ein offenes Ohr für too much all at once führen diese Suche konsequent fort.
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Seit 2019 ist er künstlerischer Leiter des offenen Kollektivs neco_nart, das in jüngeren Arbeiten eine mögliche Wiederbelebung erfährt. Gemeinsam mit Simon Möllendorf leitet er zudem Dorfproduct, wo sie choreografische und installative Performances entwickeln, die über die Grenzen der Sprache hinweg eine zeitgemäße ethische Praxis in Bewegung setzen.
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Als Dramaturg arbeitet(e) er unter anderem für das Festival Theater der Welt (2023/2024), studioNAXOS, die Junge Theaterwerkstatt am Zoo sowie mit Künstler:innen wie Jan Philipp Stange (Good Night, 2019), Sahar Rezaei (Happy Birthday), Daniel Schauf (Live!Tonight!Sold!Out!, 2017/18; Faust – Eine Kneipenoper, 2019) und Sophia Stürmer (Die Nashörner, 2018, eingeladen zum Körber Studio Junge Regie).
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2020 war er Co-Leiter der „Themenwoche gegen das Vergessen“ zur NS-Geschichte der NAXOS-Halle.
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Seine Arbeiten wurden u.a. gefördert durch den Musikfonds, den Fonds Soziokultur, den Fonds Darstellende Künste, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Stadt Frankfurt, die FAZIT-Stiftung sowie das Bistum Limburg.
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Er absolvierte ein Masterstudium in Dramaturgie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, der Durs Grünbein-Klasse im Rahmen der Heiner-Müller-Professur sowie der Postgraduiertenförderung der Hessischen Theaterakademie (2018).
